Reisetagebuch

Tag 7 – Radtour Borensberg – Berg

Nationaldagen

Heute haben wir zum ersten Mal während unserer Reise etwas länger geschlafen, es ist schliesslich Feiertag. In Schweden ist heute Nationaldagen (Nationalfeiertag).

Radtour auf dem Göta-Kanal-Radweg

Nachdem wir gestern entschieden hatten nicht direkt in Berg unser Lager aufzuschlagen, war schnell klar, dass wir heute mit den Fahrrädern eine Tour am Kanal dorthin unternehmen. Laut Google Maps beträgt die Route direkt am Kanal entlang als einfache Strecke 20 km.

Nachdem Frühstück packen wir unsere Sachen und fahren los. In diversen Schwedenurlauber-Foren haben wir als mögliche Alternative den Tipp gelesen, eine Strecke mit dem Rad zurück zu legen und die andere per Schiff. Wir fahren erstmal los und dann sehen wir weiter.

Das Wetter ist ideal für diese Tour. Es ist wiedermal strahlend blauer Himmel bei ca. 20 Grad und leichtem Wind. Wir Mitteleuropäer ziehen bei solchen Bedingungen eine dünne aber lange Hose an und ein langärmliches Shirt, packen aber vorsorglich jeder ein kurzes T-Shirt ein. Der Schwede zieht sich bei diesen Temperaturen bereits aus. Generell stellen wir fest, dass der Schwede ein komplett anderes temperaturempfinden hat, als unsereins. Wenn wir das Sweatshirt rausholen, sitzen sie immer noch in kurzer Hose und T-Shirt draußen.

Die Strecke führt parallel zum Kanal, vorbei an wunderschönen Villen, diversen Drehbrücken und kleinen Ortschaften. Eichenalleen begleiten die komplette Strecke und machen sie zu einer traumhaften Idylle.

  

Eine ungewöhnliche Besonderheit auf der Strecke sind zwei Akvedukte. Hier kreuzt der Kanal die Straße führt aber als Brücke darüber hinweg. Sehr kurios, dass man am Kanal-Radweg per Brücke über eine Straße kommt.

Berg mit seiner Schleusentreppe

Nach gemütlicher Fahrt kommen wir in Berg an. Jetzt merkt man auch endlich, dass Nationaldagen ist. Viele Schweden machen einen Feiertagsausflug hierher zum Essen, Picknicken oder Minigolf spielen.

Wir stärken uns und essen ein Skagenbaguette. Schmeckt leicht nach Fisch evtl. Krabben, es ist nicht wirklich definierbar, aber lecker. Für den Rückweg nehmen wir noch etwas Süßes mit.

Jetzt besichtigen wir in aller Ruhe die Schleusentreppe. Insgesamt gibt es 9 Schleusen, die ersten beiden sind etwas oberhalb. Die eigentliche Treppe besteht aus 7 Schleusen und führt den Kanal direkt in den Roxen-See.

Viele Schweden, egal ob jung, alt oder ganze Familien, sitzen auf den Wiesen entlang der Treppe picknicken, grillen oder baden einfach in der Sonne. Es ist Feiertags-Feeling in der Luft. Wie schiessen unzählige Fotos und drehen Videos von der Schleusentreppe und Umgebung, so schön und beeindruckend ist dieses über 200 Jahre alte Bauwerk.

  

Schifffahrt ist geplatzt

Im Tourismusbüro vor Ort fragen wir nach einer Schiffverbindung, schliesslich steht ein Schiff vor Anker, zurück nach Borensberg. Der nette junge Mann erklärt uns „Heute ist Nationaldagen, da fährt kein Schiff!“ Aha, am Nationalfeiertag, wo hier Massen an Menschen unterwegs sind, fahren keine Schiffe? Das macht Sinn. Gut, dann müssen wir also den Rückweg doch wieder per Rad bestreiten.

Rückweg nach Borensberg

Nach zwei Stunden starten wir unseren Weg zurück zum Wohnmobil. Inzwischen spüre ich Muskeln in meinen Oberschenkeln, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Ich bin einfach nicht im Training. Während der Fahrt muss ich mehrfach an diverse Kollegen denken, die regelmäßig Radtouren unternehmen und sicher jetzt schmunzeln, wenn sie das lesen.

Die Fahrt wird im übrigen nicht dadurch leichter, dass wir von einem stetigen Gegenwind begleitet werden, Erinnerungen an unsere früheren Reisen nach Amrum kommen hoch.

Da wir ja schon 30 km in den Beinen haben, legen wir an der nächsten Kanalbrücke eine ausgiebige Rast ein und verdrücken unsere mitgenommene Süßigkeit. Wir passen uns den Schweden an und liegen auf der Wiese direkt am Kanal. Nach dem Energieschub setzen wir unsere Rückfahrt fort.

Mit jedem Kilometer näher an unserem zu Hause steigt auch wieder die Laune. Als wir unser Ziel endlich erreicht haben, sind wir erleichtert und freuen uns auf einen entspannten Abend. Ich bewege mich heute keinen Meter mehr!

Blog schreiben und chillen am Abend

Nachdem ich heute mehrfach „ermahnt“ wurde, dass ich noch keinen Beitrag zu Tag 6 geschrieben habe, setze ich mich nun hin und hole das Schreiben der noch offenen Blogbeiträge nach.

Morgen verlassen wir den Göta-Kanal und brechen nach Stockholm auf, hoffentlich kann ich in der Stadt überhaupt noch laufen und der Muskelkater hält sich in Grenzen.